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Fischen mit Boilies

„Und wenn Du einen Teig das ganze Jahr zum Fischen aufheben willst, dann mische ihn mit Bienenwachs und Honig, und knete alles vor dem Feuer mit deinen Händen zusammen; dann forme daraus Kugeln, die werden das ganze Jahr lang halten.“ Dieser Tipp stammte von Izaak Walton aus dem Jahre 1653.

Die erste harte Karpfenkugel der Weltgeschichte war geboren.
Zwar am Feuer getrocknet und nicht gekocht.
Dem Engländer Fred Wilton wird die eigentliche Erfindung des Boilies zugeschrieben. 1972 veröffentlichte er in einem Artikel das Rezept von Pastenbällchen mit hohem Proteingehalt.
Wilton entwickelte damals ebenfalls die vieldiskutierte HNV-Theorie.

Die wichtigsten Zutaten waren Milchproteine, pflanzlichen Eiweißen und die damals bekannten Angelfuttermischungen.
Bei einem Biss war es nur selten der Fall, dass Haken im Fischmaul landete, da dieser direkt in der Teigmischung gesteckt wurde.

Aber den heutigen Boilie erfand er nicht.
Diese Ehre gebührt einem anderen, Jim Gibbson.
Er hatte bereits viel früher diese Idee, aber ohne den Teig zu kochen.
Durch das Überbrühen bekommen sie eine Art Gummihaut.
Wilton hatte die Idee nur weiterentwickelt, mit Eier und proteinhaltige Zutaten ergänzt.

Ohne einiger Entwicklung, wie zum Beispiel des Haarvorfachs, wäre der Boilie sicher wieder in der Versenkung verschwunden, denn Wiltons „side hooked“-Montage erwies sich als nicht sehr effektiv, man bekam den Anschlag nicht zu 100 prozent durch.
Erst Rod Hutchinson machte die Karpfenfalle perfekt.
Er entwickelte das „Bolt Rig“, eine Sofortanschlagmontage mit schwerem Festblei.

Die ersten kommerziell hergestellten Boilies brachte die Firma „Philipps Yeast Products“, in den 70er Jahren, unter der Bezeichnung „Hi-Pro“in die Läden.

Der Rest der Welt hatte bereits weit früher den Tipp, Teigkugeln in eine zähe Haut zu geben.

Raoul Renault fischte bereits in den 30er Jahren mit kleinen würfelförmige Teignocken, so genannten „noquettes“, aus Hanfmehl und Gummi arabicum, die er zuvor am Feuer trocknete.
Renault hatte den Urboilie erfunden, ohne ihn zu kochen.

In Deutschland experimentierte man in den 50er Jahren mit gekochten Karpfenködern. Alfred Esch ließ damals „gewürfelten“ Knödelteig in kochendem Salzwasser 15 bis 20 Minuten garziehen.

Die Dresdner hatten bereits früher mit Partikelködern gefischt, und benutzten bereits Vorläufer des Boilies.
Eine Erbse, ein Maiskorn, ein Stückchen halbgar gekochte Kartoffel, oder was sonst geeignet ist, wird mit der Nadel durchstochen, ein Faden durchgezogen, und die Schleife fest zugebunden.

Und sie nutzen auch schon die Selbstanschlag-Methode, das Boltrig:
„Der Erfinder ist offenbar von der Überlegung ausgegangen, dass der Karpfen im Wasser wandernd die ausgestreuten Futterbrocken einzeln aufsammelt und selbst die Aufnahme einzelner kleiner Brocken wie Erbsen, Mais, ja selbst Weizenkörner und Graupen nicht verschmäht.